Gabriele Lockstaedt

Informationen zum Künstler

Die 1957 in Herford geborene Künstlerin Gabriele Lockstaedt absolvierte
von 1977 bis 1982 das Studium der bildenden Kunst in München.
Sie lebt und arbeitet heute in Landsberg am Lech.

Die meist großformatigen Arbeiten der Malerin werden sowohl in mehreren europäischen Ländern als auch in den USA (zuletzt auf der "Art Basel Miami
Beach") mit hoher Aufmerksamkeit gewürdigt und wurden bereits in mehreren bedeutenden Museen der Öffentlichkeit präsentiert.

SOPHISTICATED schließt sich vielen europäischen Kuratoren der Meinung an,
dass die Werke von Frau Lockstaedt zunehmend Furore machen werden:

Mit ihrer weltweit einzigartigen, meisterlichen Technik kombiniert Gabriele Lockstaedt die Anwendung von ungelösten, auf Acryl aufgebrachten Pigmenten auf ihren Leinwänden.

Mit ihrem Zyklus „SCHROTT“ führte uns Frau Lockstaedt bereits in metaphorische Bildwelten, die bildnerische Ambivalenz und malerische Lebendigkeit in Vollendung vereinen.

Mit Ihren neuesten Arbeiten aus 2017 wiederum konfrontiert sie uns mit der Frage,
ob und wie wir im digitalen Zeitalter überhaupt noch unsere eigene, individuelle "Natur" finden (können) ...

Der virulente Satz: "Die Farbe folgt der Form" wird hier auf bisher ungesehene Weise von Gabriele Lockstaedt relativiert. Die Verquickung von Farbe und struktureller Impression ruft einerseits eine wundervolle Harmonie hervor, lässt andererseits aber auch Vexierspiele jeglicher Art und somit die oben ausgesprochene, für uns alle in unserem eigenen Leben wichtigste Frage zu....

Kunst kann polarisieren und schockieren, aber beim Betrachter auch ursprüngliche Gefühle wie Verbundenheit, Dazugehörigkeit und Eingebunden-Sein-in-die-Natur aufkommen lassen. Letztendlich ist der innere Nachklang immer stärker als der impulshafte Augenblick. Er ist existenziell. Bei jedem von uns.

Wir freuen uns, von Oktober 2017 (Preview 20.10.17 mit dem Salon XIIIX)
bis Januar 2018 die neuesten Arbeiten der Künstlerin präsentieren zu können (Vernissage 30.11.17, Finissage 26.01.18).


IL PROFONDO DI SELVA

Die Natur ist der unergründliche Fundus, eine fruchtbar wuchernde Idee, die jeden schaffenden Geist überwältigt. - Paul Cèzanne.

Die formgebende Natur war für bildende Künstler schon immer ein metaphorischer Gegenort. Lange vor den Expressionisten, die naturhafte Sujets für einen stilistischen Paradigmenwechsel nutzten, wurde der Naturraum Wald zu einem Hauptmotiv der deutschen Kunst- und Geistesgeschichte. Schon im vorhergehenden Jahrtausend erkannte der römische Chronist Tacitus den Wald als Ursprungsmythos des "Furor Germanicus".
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts setzte A. Altdorfer mit dem Tafelbild Donaulandschaft mit Schloss Wörth neue Maßstäbe in der Landschaftsmalerei. Ab da avancierte der Sehnsuchtsort Natur zum Symbol einer mythisch-christlichen Weltsicht, die einem neuen Naturempfinden entsprach. Im 17. Jahrhundert schufen u.a. Lorraine, Poussin, Jan van Ruisdael, M. Hobbema idyllisch-arkadische Landschaften, in denen die situative Naturerfahrung überraschende Formen und Malweisen evozierte. Gerade in der niederländischen Freilichtmalerei relativierte der Aspekt des Lichts die gewachsene Form, was eine auf Kontemplation abzielende Bildbetrachtung ermöglicht.
In der deutschen Romantik wurde die Natur vollends zum Ort der Introspektion, an dem das Traumhafte im Naturhaften fortbesteht. In bildnerischer Hinsicht verdichtete sich die Wahrnehmung der unbeeinflußten Natur - und damit auch die des Waldes - zum allein von den Jahreszeiten geprägten Motiv. Im Übergang vom Klassizismus zur Romantik gaben Turner, Nash und Constable der Natur erstmals einen spontanen Ausdruck. Für C.D. Friedrich ist die Natur eine methaphorische Symbiose aus Schutz und Inspiration. Im 19. Jahrhundert verklärt die historisierende Freilichtmalerei den natürlichen Kreislauf des Lebens zur heroischen Metapher. So ist dem Nibelungen Siegfried nur unter dem grünen Blätterdach die mythologische Unsterblichkeit gewiss. Der im Märchenhaften wurzelnde Naturbezug wurde u.a von Menzel, Leibl, v. Schwindt und - wie bereits erwähnt - von C. D. Friedrich beschworen. Erst französische Impressionisten wie Courbet, Cèzanne, Pissarro, Signac, Renoir oder Monet, sowie zeitversetzt Liebermann, Corinth, Slevogt und Rohlfs, haben das Bildthema Natur auch in Deutschland eingeführt. Deren Farbgebung reicht von lichtdurchflutet- leuchtend, bis hin zu diesigen Blau und Grautönen.
Auch die klassische Moderne nimmt sich durch Matisse, Kirchner, Seggantini, Schiele uva. der Natur als impressiven Gegenort an. Dies setzt sich heute bei Richter, Barney, Kiefer, Polke, Prince, Rosenquist und Ottersbach fort. Doch hier stehen nicht mehr die Farbimpressionen, sondern die metaphorischen Utopien im Mittelpunkt. So sah es auch eine Schau des berliner DHM mit dem bezeichnenden Titel: Unter Bäumen. Die Deutschen und der Wald.

Gabriele Lockstaedts neueste Arbeiten thematisieren Waldszenerien als ästhetische Allegorien der Passion, als Imaginationen transformierender Innerlichkeit. Dabei spielen die Sensibilität der Betrachtung und die seelische Verfasstheit eine wichtige Rolle. Beides illustriert die Sehnsucht nach der Erfüllung im Immateriellen. Über die Auflösung und Sublimierung der Naturformen, wie der Wald sie in Fülle bietet, werden emotionale Prozesse angestoßen, welche die Bildmagie zwischen Werk und Betrachter befördern. Dies legt nicht nur den "Verlust des Augenblicks" nahe, sondern reflektiert in der Betrachtung über einen "Zustand der Unschuld", des "sich nicht erklären müssens".
Damit sind die Waldimpressionen von Gabriele Lockstaedt vor allem enigmatische Gegenentwürfe einer motivorientierten , oft sogar monumental ausgebreiteten Naturschau. Ihre Inszenierung des Waldes ist radikal anders. Es sind Bilder unter der Zeit. Sie bereitet jenen geheimnisvollen Mächten eine Bühne, deren Zauber sich in der dialogischen Durchdringung erschließt. Der elegante Minimalismus lässt Inseln der Entschleunigung entstehen. Die auf die Farbwirkung vertrauende Ästhetik wird zum Spiegel des Inneren , zum Medium "situativer Momentaufnahmen" .

In der Bildkonstruktion bleiben die vertikalen Strukturen und Objekte lediglich rätselhafte Chiffren. Sie sind Teil der Annäherung an das unmittelbare Farberlebnis, in der sich die Abstraktion naturgegeben fortschreibt. Ihre zwischen "diffus" bis "amorph" changierende Farbsetzung vermittelt eine besondere Strahlkraft. Offenbar ist ihr die Natur kein sentimentaler Anlass zum Malen, sondern dessen Gegenpol. Aus der betrachtenden Distanz lösen gerade die Großformate Assoziationskaskaden aus, in denen sich die farbliche Impression zur Metapher des Mythischen verwandelt.
Dies gilt auch für die anderen Element in Il Profondo di Selva. Gelegentlich relativieren verwunschene Flussauen die bilddominierenden Abstraktionen und öffnen darüber hinaus die Blickführung. Abgesehen vom Großformat "Teufelsküche", auf dem der Wasserfall weiss gemalt ist, bleiben die hellen Aussparungen Hinweise auf das Metaphysische. Gleichzeitig lenken die hellen und weißen Bildpartien den Blick in die Farbflächen hinein und tragen auf ihre Weise zur Aura ihrer, im Wesen abstrakten Bilderzählungen bei. Denn unabhängig von Format und Farbsetzung geht es in dem Bildzyklus um bildnerische und emotionale Abstraktion.
Hinsichtlich der Arbeitsmaterialien und des Arbeitsprozesses bedingt die Subtraktion der Pigmente die bestimmende Bildwirkung. Dazu gehören auch die in der Tiefe eingesetzten und nur aus allernächster Nähe sichtbaren, roten, gelben, blauen und rostbraunen Farbeinschlüsse. Die reaktive Zufälligkeit der aufgestreuten Pigmente ist das bestimmende Gestaltungselement. Aus der Farberosion im Zeitraffer entsteht die besondere Wirkung dieser Bildinszenierungen. Nichtsdestoweniger ist deren Anteil an Komposition und Wirkung nicht völlig berechenbar, sondern Ergebnis des malerischen Prozesses. So sind wohl auch die vertikalen Strukturen zu sehen, die den flächig wirkenden Farbauftrag Tiefe bzw. Perspektive geben. Dieses zufällige Zusammenwirken von Farbe, Impression und Struktur lässt naturhafte Apotheosen des Lichts entstehen. Eine Darstellung des Naturkosmos, den man auch in Ernst Jüngers Der Waldgänger findet. Auf ihre Art sind auch Lockstaedts Bilder naturnahe Gegenentwürfe zu unserer, alles normierenden Gesellschaft.

Es sind jedoch nicht nur ästhetische Aspekte, die das Thema Natur ins Zentrum künstlerischer Reflektionen rücken. Die Sehnsucht des "sich verlieren wollens" entspricht gleichzeitig dem Wunsch, neue Stabilität in der natürlichen Vielfalt zu finden. Allerdings sind Lockstaedts Leinwände keine Spurensuche im Privaten, sondern wirken aus sich heraus. Im Gesamteindruck sind es somit bildnerische Statements, die vom Kunstbetrieb weg und hin zur Natur führen.
Dies gilt, obgleich in einem abgwandeltem Kontext, auch für Gegenwartskünstler wie David Shrigley. Der sprach bezüglich des Themas Natur in der bildenden Kunst abfällig von einem"diffusen Credo". Noch pointierter die Aussage der mit Schriftzeichen und Wortmetaphern arbeitende Jenny Holzer, die Naturdarstellungen als "farbliche Provokation" empfindet. Ganz anders Max Ernst, der für Naturadaptionen die poetische Formel von der "Magischen Verwandlung eines Sehnsuchtsortes abseits der Zeit" erfand. Und Anselm Kiefer bemerkte zum gleichen Thema ebenso treffend wie lakonisch: "Innen oder Außen - Man findet immer nur sich selbst".


Harald von Wieckowski, 2017
Art-In-Motion / fineartsvisible

Z I T A T E / A P E R C U S
M. Barney / P. Cèzanne/ F. Clemente / M. Ernst / J. Holzer
A. Kiefer / R. Prince / J. Rosenquist / D. Shrigley / Tacitus


Q U E L L E N N A C H W E I S
Malerei- Architektur- Bildhauerkunst / Karl Müller Verlag, 2. Auflage, 1994
Impressionists and Post-Impressionists / Grolier International Publishing, 2003
Malerei des Impressionismus, Bände 1 und 2 / Bendedikt Taschenverlag, 1997
An die Natur - Altana Kulturstiftung / Wienand Verlag, 2002
ART - Das Kunstmagazin / Dezember 2017
SZ - Kunstmagazin, Sonderausgabe / Oktober 2017
Susanne Kiewitz / Rezension, H-Soz-Kult, Berlin 2012


INSTINCT AND SOLUTION
DIE AKTUELLEN BILDER VON GABRIELE LOCKSTAEDT


Die großformatigen Bildlandschaften der Münchner Malerin Gabriele Lockstaedt schaffen durch ihre kontrastierende Flächigkeit hyperreale Szenerien. Dabei setzt sie sowohl auf dramatisch gesetzte Bildmotive, als auch auf dialogische Farb-Sujets. Unabhängig von Thema und Format transportieren ihre in geschichteter Mischtechnik entstandenen Arbeiten ein Kompendium unterschiedlichster Emotionen.

Harald v. Wieckowski



INSTINCT AND SOLUTION
Nicht das Abbilden, sondern das Malen schafft erst jene Bilder, in denen Inhalt und Form eine neue Realität erzeugen. Mit INSTINCT AND SOLUTION ist bereits Wesentliches zu den neuesten Arbeiten von Gabriele Lockstaedt gesagt. In ihren Mixed-Media -Arbeiten ist Asche, die hier meist in Verbindung mit Acryl und Farbpigmenten aufgetragen wird, malerisches Medium und bildnerische Metapher zugleich. Besonders das flächige Grau wird schnell zum dominierenden Farberlebnis, dass alles andere spielend durchdringt.
Neben den faszinierenden Grautönen sind es vor allem hell auflodernde Rot-Töne und bizarr verformte Metalle, die die Leinwände szenisch formatieren. Im motivischen Bezug auf stählerne Relikte der "Twin Towers", die im "Hanger 17" des JFK-Airports ausgestellt sind, wird dies besonders deutlich. Sie folgt damit dem ungefilterten Impuls, allein aus intuitiven und improvisierten Gestaltungsmomenten heraus zu arbeiten. Beschreibt man den Schaffensprozess als fortwährende Analogie, so ergibt sich folgendes Bild: Nach ansteigender Spannung wird die Farbmaterie regelrecht herausgeschleudert, um augenblicklich auf der Leinwand zu erkalten. Dieser schöpferische Vorgang wiederholt sich unzählige Male und lässt in den abgeschliffenen Schichtungen diverse Makro- Impressionen entstehen.
Wie und wo der impulshafte „INSTINCT“ zur bildnerischen „SOLUTION“ führt, ist für die emotionale Bildrezeption letztlich ohne Belang. Max Beckmann war überzeugt, dass ein Bild immer nur den inneren „Code“ eines Betrachters zu aktivieren sucht. Wer sich auf diese persönliche De-Codierung einlässt, bei dem werden ihre anthropomorphen Sujets vielfältige Resonanzen auslösen.

Harald v. Wieckowski - 08 / 2012

Kunstwerke von Gabriele Lockstaedt

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